Wachwechsel im WVH Bremen

Im April diesen Jahres hat Rolf Hohenstein das Dutzend voll gemacht. Zwölf Jahre hat er den Wassersport-Verein Hemelingen durch viele freudige wie aufregende Ereignisse und unvorhergesehene Krisen geführt. Ein Rückblick auf die letzten Jahre gibt einen Eindruck der bewegten Zeiten, die Rolf Hohenstein als 1. Vorsitzender im erfolgreichen Wassersport-Verein Hemelingen erlebte.

Welcher Platz auch sonst auf dem Gelände des Wassersport-Vereins eignet sich besser als der Fahnenmast, um ein Steuerrad zu übergeben. Hier im kleinen Kreis seiner engsten Vertrauten konnte sich Rolf Hohenstein unter Pandemiebedingungen bedanken und einige Themen Revue passieren lassen. Gerade das letzte Jahr seiner Amtszeit hat gezeigt, durch welch unruhige See der 1. Vorsitzende Rolf Hohenstein den Wassersport-Verein Hemelingen, seinen Verein, mitunter steuern musste.

Begonnen hatte alles 2008, als Rolf Hohenstein durch den Verkauf seiner Geschäftsanteile einer alteingesessenen Handelsfirma und der Aufgabe der dortigen Geschäftsführung aus dem Berufsleben in den wohlverdienten Ruhestand wechselte, der sich schnell zum „Un-Ruhestand“ entwickelte. Wie häufig im Wassersport kennen sich die Menschen von Treffen, Besuchen und Veranstaltungen. Die vorherige Führungsriege wurde auf Rolf Hohenstein aufmerksam und machte sich daran, diese kompetente Persönlichkeit als Nachfolger für Günther Grotheer zu gewinnen. Fast einstimmig gewählt, konnte er auf der folgenden Mitgliederversammlung das Amt übernehmen. Mit dem erweiterten Vorstand, der ihm mit mehr als 20 Personen helfend zur Seite stand, begann seine Laufbahn im WVH. Unterstützt durch das ehrenamtliche Engagement eines fachlich versierten Teams, gelang der Start, um die vielen Ideen, die Rolf Hohenstein hatte umzusetzen. Es war schon spannend, als er sich auf der ersten Mitgliederversammlung mit folgenden Worten vorstellte: „Ich bedanke mich für das Vertrauen und werde für die nächsten Jahre zusammen mit allen Mitgliedern die Zielvorstellungen, die erarbeitet wurden, umsetzen“.

Die Ziele waren mehr als eine große Herausforderung: Das Vereinsheim wollte kurzfristig mit Leben und Inventar gefüllt werden. Das Bootshaus hatte nach einem Pächterwechsel stark gelitten und nichts mehr war vorhanden, kein Tisch, kein Stuhl, kein Kücheninventar. Mit Glück konnte der Vorstand eine günstige gebrauchte Einrichtung aus einer insolventen Pizzeria beschaffen. Die Kücheneinrichtung wurde von einem Fachbetrieb gereinigt, geprüft und eingebaut und mit einem „Alle-Mann-Manöver“ wurde der Gastraum hergerichtet.

Das nächste mittelfristige Projekt war eine ebenso große Aufgabe, die viel Energie, fleißige Hände und handwerkliches Know-How verlangte. Zudem galt es den finanziellen Background kostengünstig und optimal auszurichten, damit der WVH stetig einen wirtschaftlichen Spielraum für Unvorhergesehenes behielt. Mit erheblichem Aufwand wurden dann die Sanitäranlagen auf aktuellen Stand gebracht. Endlich konnten die Segler:innen direkt von den Umkleideräumen zu den Duschen gehen. Der kurze Weg, gerade für die jungen Segler:innen, die von Kenterungen oft nass zurück in den Hafen kehrten, war für die sich sorgenden Eltern eine wirkliche Errungenschaft. War vormals nur der Zugang von außen möglich, hat diese Sanierung einen wirklichen Fortschritt gebracht. Mit Waschmaschinen, Trockner-Bereich und Spülbecken für Geschirr war jetzt auch dafür gesorgt, dass Tagestouristen, wie Kanuten, die oft nur mit kleinem Gepäck reisen, einen Platz bekamen, um einfach mal ein wenig die Habseligkeiten aufzufrischen. Hervorragende Duschen, moderne Fliesen und Toilettenräume sorgten so für einen ansprechenden Nassbereich.

Das dritte und aufwändigste Ziel hatte es in sich. Lange schien es, als ob der Traum von Rolf Hohenstein nicht zu realisieren war. Planungen, Finanzen, Einwände und Optimismus wurden gebraucht. Auf manch einer Mitgliederversammlung und immer wieder im Vorstandsbeirat wurde das Thema besprochen: Die Sanierung des Hafens. Marode Hafenbefestigungen, Stege, die in die Jahre gekommen waren, schmale Bootsliegeplätze und Gehwege – es gab einiges zu planen und zu tun. Da sah manches Mitglied im WVH schon eine Beitragserhöhung auf sich zukommen. Aber dank guter Planung mit dem Schatzmeister Rolf Damm und der Schriftführung von Andreas Geyer bis Dennis Nebelung sowie dem Vorstandsbeirat hatte Rolf Hohenstein ein ausgewogenes Team zur Realisierung an seiner Seite. Gemeinsam legten sie den Grundstein für eine weitreichende Zukunft des Vereins als Heimathafen vieler verschiedener Boote und mit tollen Angeboten für Mitglieder und Besucher. Das langfristige Projekt ist seit mehr als fünf Jahren in Arbeit, hat einen ausgearbeiteten Planungsverlauf und ist auf einem guten Weg. Es verdient besondere Anerkennung, dass das Projekt aus den laufenden Beiträgen des Vereins gestemmt wird, ohne jegliche öffentliche finanzielle Unterstützung. Die unzähligen ehrenamtlich geleisteten Stunden sind nicht in Gold aufzuwiegen. Für die vielen übernommenen Aufgaben und den unermüdlichen Einsatz von Hafenmeister, Kranmeister, Geländewart, Regattaleitung, Winterlagerwart, Jugendleiter, Umwelt, spricht Rolf Hohenstein explizit noch einmal seinen Dank aus.

Nun ist es an der Zeit, das Steuerrad zu übergeben. Aber wer wäre Rolf Hohenstein, wenn er nicht schon frühzeitig an die Zukunft gedacht hätte. Eine verantwortungsvolle Aufgabe muss in zuverlässige Hände gelegt werden. Der WVH gehört zu den führenden und größten Wassersportvereinen in Bremen und das bei einer Mitgliederzahl von rund 700 Wassersportler:innen sicher nicht ohne Grund. Es gibt eine große Bandbreite an Möglichkeiten: Freizeitsport, Leistungssegeln von Opti, diverse Segeljollenklassen, Segelbundesliga mit Champions League, Motorboote, Wassersportschule für Segler:innen und Motorbootführerscheine. Im Hafen finden sich Boote aller Art, von Traditionsbooten bis zum Familienboot, von Segelboot bis Motorboot und selbst Angelboote und kleine Jollen finden Platz. Das große, gepflegte Vereinsgelände verfügt über 200 Wasserliegeplätze und Landliegeplätze für die Jollen, die stets mit Bootswagen zu Wasser gebracht werden. Die soziale Ausrichtung des Vereins war schon immer darauf angelegt, auch für das schwächste Glied einen Platz zu schaffen. So gibt es Mitglieder, die durch Krankheiten oder Alter nicht mehr aktiven Bootssport betreiben können und dafür aber jetzt teilweise mit dem Wohnwagen noch am Vereinsleben teilhaben. Oder die auch ganz einfach im Vereinsheim „Bootshaus Hemelingen“, das als öffentliche Gaststätte verpachtet ist, den herrlichen Blick von der Terrasse auf den Hafen, die Weser, über den Werdersee bis zum Bremer Dom genießen. Auch für Nicht-Wasser-Sportler:innen ein beliebtes Ausflugsziel.

„Stillstand ist Rückschritt“, so Rolf Hohenstein auf seiner Verabschiedung. Er selbst hat den rechtzeitigen Wachwechsel herbeigeführt, um die Kontinuität in der wichtigen ehrenamtlichen Arbeit nicht zu gefährden. Finanziell gut aufgestellt, mit der Chance neue Akzente zu setzen und auch zukünftige wichtige Aufgaben zu erfüllen, so übergibt er symbolisch das Steuerrad für die Führung an den neuen Hauptvorstand. Der Vorsitzende Rolf Damm, der Schatzmeister Dennis Nebelung und der Schriftführer Harald Schneider bilden ein kompetentes Team aus zwei Unternehmern und einem Bänker, die über solides Fachwissen verfügen und dem Verein verbunden sind. Bestimmt fällt ihm der Abschied schwer, aber Rolf Hohenstein bleibt natürlich auch zukünftig Vereinsmitglied und steht dem neuen Vorstand beratend zur Seite.

Es sind große Fußstapfen, in die der neue Vorstand tritt. Rolf Hohenstein hat für eine steigende Reputation des Vereins im Wassersport gesorgt, hat sich der großen und kleinen Sorgen angenommen, den Wassersport vom Anfängersegeln bis zu Bundesliga mit der Teilnahme an der Champions League unterstützt, für eine gute Auslastung des Hafenbereichs gesorgt und dem WVH einen Aufwertung beschert, von der alle Mitglieder noch lange profitieren werden. Die Mitglieder des Vereins bedanken sich für dieses unermüdliche ehrenamtliche Engagement der letzten zwölf Jahre.

Bericht: Ursula Niemann